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Spielleute im Mittelalter

Erscheinungsbild des Spielmanns

Seit dem 12. Jh. gilt das Motto möglichst bunt und auffällig! Besonders die "mi-pati" Technik (zwei abweichende Farben der Länge nach) ist weit verbreitet. Oft passiert es, dass die Kleidung nicht "zueinander passt". Die Ursache liegt darin begründet, dass Spielleute entweder Geschenke vom Hofe mit ihren abgetragenen Kleidungsstücken kombinieren oder sich einfach schrill kleiden wollen. Bei den Akrobaten und Jongleuren ist vor allem enge und aufreizende Kleidung beliebt. Die Männer betonen ihren Unterleib und die Frauen stellen ihre Weiblichkeit zur Schau. Eine gesteigerte Körperbetontheit macht sich nach der großen Pest von 1348 bemerkbar. So kommen etwa Schnabelschuhe, Zaddeln und Prahlsack in Mode. Die beliebteste Farbkombination scheint rot und grün oder rot und weiß zu sein. Die so sehr bekannten Schellenbänder hingegen werden im Verlauf des Spätmittelalters zum Stigma, welche nur noch Narren tragen. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Spielmann die Mode des Adels (Schnabelschuhe...) übernimmt und sich sogar "standesgemäß" rasiert. Das Haupthaar allerdings, welches Adlige lang zu tragen pflegen, so berichten viele Quellen, wurde kahl geschoren. Ein besonderer Blickfang waren bemalte Gesichter.

Herkunft der Spielleute

In Deutschland rekrutieren sich die Spielleute meist aus der Stadt. Als Kind eines Spielmanns geboren oder durch soziale Not zu diesem Beruf ‚gezwungen’ zieht er als Fahrender, heimat- und rechtloser von Ort zu Ort. Sehr selten werden Personen aus dem niederen Adel zu Spielmännern. Dies ist nur für Frankreich sicher belegt. Häufiger hingegen verdingen sich Scholaren (fahrende Schüler oder Studenten), die ihre Künste - selten akrobatische - in Tavernen und auf Märkten zeigen, als Spielmänner. Besonders fahrende Theologiestudenten (Goliarden) des niederen Klerus füllen sich ihren Geldbeutel durch Lieder und Gedichte auf. Aber es soll auch vorkommen, dass ohne jegliche Not sich jemand für das Leben als Spielmann entscheidet.

Leben des Spielmanns

Ein Spielmann von der Straße muss ein großes Spektrum an Fähigkeiten aufweisen. Er sollte dichterisches, erzählendes und musizierendes Talent oder akrobatisches (am besten natürlich beide) aufweisen können. Zum Repertoire der Spielleute gehören zum Beispiel folgende Künste: Jonglieren, Feuerschlucken, Seiltanzen, Turnen, Tanzen, Schauspielerei, Zauberei, Taschenspiel, Puppenspiel, Musizieren, Singen um nur einige zu nennen. Wir dürfen das Leben des Spielmanns jedoch nicht romantisieren, denn er war ein Außenseiter der Gesellschaft. Von der Kirche insbesondere im Früh- und Hochmittelalter verteufelt (Diener des Teufels/ ausgeschlossen vom ewigen Leben...) und ohne Gerichtsbarkeit im weltlichen Recht war im ein mehr oder weniger vogelfreies Leben beschieden. Dennoch muss betont werden, dass sowohl bei Hofe, als auch von bestimmten Persönlichkeiten der Kirche und natürlich beim Volk seine Vorführungen gerne betrachtet wurden. Diese bot er hauptsächlich in Tavernen und auf Märkten/Messen zur Schau. Das Glück war ihm meist nur kurze Zeit gegönnt, nämlich dann, wenn ihm wohlgesinnte Adlige Geschenke machten oder ihm für geraume Zeit Obdach gewährten. Er war ein heimat-, recht- und ehrloser Reisender.

(zusammengetragen aus: Hartung, Wolfgang, Die Spielleute im Mittelalter, Düsseldorf u.a. 2003)